Die Lizenz mit dem Copyright

15. Juni 2022

Gemeinsam bessere Lösungen für die weitere Digitalisierung der Logistik finden: Das ist die Mission der Open Logistics Foundation. „Die Open-Source-Komponenten, die Unternehmen in unserer Open Source-Community entwickeln, sollen zu einem essentiellen Bestandteil der Logistik werden“, so Andreas Nettsträter, CEO der Open Logistics Foundation. „Je mehr Unternehmen unsere Basisfunktionalitäten nutzen und in ihre Systeme integrieren, umso schneller verbreiten und verbessern sich logistische Standards.“

Dabei hat die Open Logistics Foundation zunächst sogenannte Commodities im Blick – nicht-wettbewerbsdifferenzierende Produkte und Lösungen, mit denen Unternehmen am Markt kein Geld verdienen können. Allerdings sollen Unternehmen die Standardkomponenten auch als Basis für die Entwicklung und Vermarktung nicht-offener Erweiterungen und Dienste nutzen, also für unique, proprietäre Lösungen und Produkte. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür hat die Open Logistics Foundation mit einer sogenannten Permissiven Lizenz nach dem Vorbild der Apache 2.0-Lizenz geschaffen. 

Kommerzialisierung erwünscht

Grundsätzlich gibt es in der Open-Source-Welt zwei unterschiedliche Lizenz-Typen – die Copyleft-Lizenz und die permissive Lizenz:

  • Die Copyleft-Lizenz verpflichtet Unternehmen Modifizierungen und Weiterentwicklungen der Software oder andere Werke unter identischen Bedingungen wie die der ursprünglichen (Copyleft-)Lizenz zu stellen. Dies bedeutet, dass sie bei einer Weitergabe, wie z.B. dem Verkauf, des Produkts auch den Quellcode zugänglich machen müssen. Wie stark oder schwach ausgeprägt das Copyleft ist, regelt die jeweilige Lizenz. Einer der bekanntesten Vertreter von Copyleft-Lizenzen ist die GNU General Public License (GPL).
  • Dagegen räumt die Permissive Lizenz Unternehmen die Freiheit ein, dass Weiterentwicklungen auf Basis der Open-Source-Software nicht unter dieselbe Lizenz zu stellen. Dies ermöglicht auch die Verwendung in proprietären Produkten, ohne dass der veränderte Quellcode zugänglich gemacht werden muss. 

Die Open Logistics Foundation hat sich für den zweiten Lizenz-Typ entschieden – aus gutem Grund. „Das erklärte Ziel der Open Logistics Foundation ist es, die europäische Logistik auf ihrem Weg zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit zu unterstützen. Eine Kommerzialisierung der OS-Komponenten, die unsere Community entwickelt, ist auch in proprietären Produkten ausdrücklich erwünscht“, so Andreas Nettsträter. „Jede Weiterentwicklung – jedes neue Produkt und jeder neue Service – leistet einen Beitrag dazu, die Wettbewerbsfähigkeit der Logistik hierzulande zu stärken.“ Dabei schlägt die Foundation zwei Fliegen mit einer Klappe: Denn sämtliche neuen Produkte und Services basieren auf einheitlichen Komponenten und leisten so einen weiteren Beitrag zur Standardisierung in der Logistik.

Umfassende Nutzungsrechte

In der „Open Logistics License” regelt die Stiftung die terms and conditions for the use, reproduction and distribution von Quell- und Objektcodes, die im Open Logistics Repository der Stiftung zur Verfügung stehen. Die Unternehmen, die die Open-Source-Komponenten unter dem Dach der Stiftung entwickelt, veröffentlicht und in das Repository eingestellt haben, stiften bzw. schenken die Quell- und Objektcodes der Foundation. Mit dem „Corporate Contributor License Agreement“ räumen sie der Open Logistics Foundation ausdrücklich nicht-exklusive Lizenz- und Verwertungsrechte ein. Die Open Logistics Foundation kann daher Nutzern und Anwender ermöglichen, dass sie die Quell- und Objektcodes in andere Komponenten eingliedern, mit anderen Komponenten verbinden, modifizieren und umwandeln dürfen – einschließlich der kommerziellen Nutzung. 

Greifen Unternehmen und speziell auch Start-Ups für Basisfunktionalitäten auf fertige Standardkomponenten aus dem Open Logistics Repository zurück, können sie ihre in der Regel knappen Ressourcen darauf verwenden, unique (markt-differenzierende) Funktionalitäten zu entwickeln. 

Europäische Rechtsnormen

Neben den Nutzungsrechten beschäftigen sich auch und gerade Unternehmen, die Open Source aufgeschlossen gegenüberstehen, mit weiteren rechtlichen Fragen zum Einsatz von Open-Source-Software. Dabei haben sie nicht zuletzt die Bereiche Gewährleistung bzw. Haftung im Blick. Viele etablierte Open-Source-Lizenzen basieren in der Regel auf US-Rechtsnormen. „Bei der Gestaltung unserer Lizenz haben wir deshalb Wert darauf gelegt, dass sowohl die Bestimmungen im Bereich der Nutzungs- und Patentrechte als auch die Regelungen zur Haftung und der Gewährleistung im Einklang mit europäischen Rechtsnormen stehen“, so Andreas Nettsträter.

Sämtliche Regelungen wurden so gestaltet, dass sie sowohl den Entwicklern als auch den Nutzern und Anwendern umfassende Rechte einräumen:

  • Die Regelung der Nutzungsrechte ist gegenüber den von US-amerikanisch geprägten permissiven Lizenzen nicht grundsätzlich anders, aber ausführlicher. Sie orientiert sich im Aufbau an den in Deutschland bekannten Ergänzenden Vertragsbedingungen für die Beschaffung von IT-Leistungen (EVB-IT). Die gewählten Formulierungen bieten den Rechtsabteilungen von Unternehmen, die eine solche Lizenz nach deutschem Recht bewerten, mehr Sicherheit.
  • Die Regelungen zur Gewährleistung und Haftung sind für die Unternehmen wichtig, die Quell- und Objektcodes im Open Logistics Repository zur Verfügung stellen, ebenso wichtig wie für Unternehmen, die diese nutzen. Die Herausforderung lag darin, die aus amerikanischen Lizenzen bekannten umfassenden Gewährleistungs- und Haftungsausschlüsse auf europäische Rechtsnormen anzupassen. Ein genereller Ausschluss ist nach deutschem Recht nicht möglich, sondern wurde in der Open Logistics License – soweit sinnvoll und möglich – eingeschränkt, z.B. durch eine Begrenzung auf grobe Fahrlässigkeit.

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